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09.11.2018 | 12:54 Uhr

NOZ: Historiker Münkler sieht die EU als gelungene Antwort auf die Weltkriege

Osnabrück (ots) - Historiker Münkler sieht die EU als gelungene
Antwort auf die Weltkriege

Warnung vor zunehmendem Nationalismus - "Russland nicht als großen
Gefährder hochstilisieren"

Osnabrück. Anlässlich der Gedenkfeierlichkeiten zum 100. Jahrestag
des Ende des Ersten Weltkriegs an diesem Wochenende hat der
Historiker Herfried Münkler die Europäische Union als einen "genialen
Mechanismus, um Konflikte zu entpolitisieren und zu entschärfen"
gewürdigt. Im Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" sagte
Münkler: "Die europäischen Regierungen haben auf Krieg als
politisches Mittel zur Durchsetzung ihres Willens verzichtet.
Wirtschaftskontakte und der Austausch über Grenzen hinweg haben dazu
geführt, dass sich die Menschen in einer Win-Win-Situation fühlen Das
hat über Jahrzehnte gut funktioniert". Gleichzeitig warnte Münkler
vor dem Wiedererstarken des Nationalismus. "Das ist das eigentlich
Gefährliche an nationalen populistischen Bewegungen: International
gehen sie Arm in Arm, solange sie ein gemeinsames Feindbild haben,
Brüssel zum Beispiel, dagegen lässt sich trefflich polemisieren. Aber
wenn sie dann untereinander etwas regeln müssen, wissen nicht so
recht wie. Das ist wenig beruhigend."

Auf die USA als Garant der Sicherheit dürfe sich Europa nicht
länger verlassen. "Wir sehen den Niedergang eines "global cop", eines
Weltpolizisten. Die Amerikaner schauen jetzt vor allem auf den
eigenen Nutzen, das ist das, was hinter America First steht. Die Zeit
für Europa als sicherheitspolitisches Mündel, das von der Couch
zusieht, wie die Dinge laufen, ist vorbei", sagte Münkler der NOZ
weiter: "Es wird also darauf hinauslaufen, dass wir anstatt einer
globalen Ordnung mit einem Hüter eher ein System von fünf großen
Mächten haben werden: USA, China, Russland, die EU und vielleicht
Indien.

Mit Blick auf die Sorgen der Baltischen Staaten vor einer
russischen Aggressionspolitik sagte Münkler: "Generell würde ich
nicht sagen, dass solche Sorgen gänzlich unbegründet sind, aber
solange die Länder Mitglieder in der Nato sind, wird Präsident Putin
ihnen zwar unterhalb der Kriegsschwelle immer mal wieder Stress
machen. Ich würde Russland aber nicht als den großen Gefährder
hochstilisieren. Die Russen können zwar unangenehm sein, aber sie
sind ziemlich rationale Akteure."



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